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Dem Winter entfliehen – Kletterreise nach Laos im Dezember 2014

Geschrieben von seilknoten am 10. März 2015 | Abgelegt unter Allgemein, Kletterszene, Sportklettern

Endlich war es soweit, die lang ersehnte Reise nach Laos und Thailand stand bevor und wir standen am Abreisetag abends am Frankfurter Flughafen. In den etwas mehr als drei Wochen wollten wir insgesamt drei Etappen abarbeiten: Zuerst sollte es nach Laos gehen und nach neun Tagen Kletterurlaub sollte es weiter nach Thailand auf die Inseln Koh Chang und Koh Kood gehen. Dort wollten wir uns von der Kletterei und dem Alltag in Deutschland ausgiebig erholen.

Da wir Laos primär zum Klettern besuchen wollten, war für uns von Anfang an klar, dass dort nur eine Unterkunft in Frage kam: Das Green Climbers Home etwa 12 Kilometer außerhalb der Stadt Thakhek in Zentral-Laos. Bereits bei der Ankunft waren wir fasziniert von der Umgebung und den freundlichen Menschen. Weniger begeistert waren wir vom Versagen des Geldautomaten am Busbahnhof. Obwohl der Tuk Tuk-Fahrer, der auf uns wartete, kaum Englisch sprach und offenbar nicht wirklich verstand, was wir sagten, begriff er nach unserer Hand-und-Fuß-Erklärung bald, dass wir kein Bargeld hatten. Er fuhr uns im Handumdrehen durch die halbe Stadt zur nächsten Bank. Dort bekamen wir auch endlich unsere laotischen KIP und fuhren dann aus der Stadt hinaus in Richtung Unterkunft. Die Straße führte vorbei an Bambushütten, Kühen und Ziegen, die überall an und auf den Straßen herumliefen, in das Gebirge hinein. Zur etwas späteren Mittagszeit war es in Thakhek zwar noch schön warm, doch sobald wir in die Schatten der Berge fuhren, wurde der Wind spürbar kälter. Wir bogen auf eine kleine Sandpiste ab, an deren Ende umgeben von kantigen Karstbergen und Dschungel die Bambushütten des Green Climbers Home auftauchten.

Aufgebaut ist die Kletterlodge optisch ähnlich wie ein kleines laotisches Dorf, bestehend aus zehn gleichen Bungalows, einem Langhaus, in dem man als Gruppe oder Einzelperson absteigen kann, einem Langhaus in dem die Mitarbeiter untergebracht sind und einem Gemeinschaftshaus in dem man sich in seiner freien Zeit und zum Essen aufhalten kann. Etwas weiter hinten, versteckt hinter den ersten Bäumen des Dschungels, gibt es auch Zelte, die gemietet werden können.

Empfangen wurden wir von einer deutschsprachigen Mitarbeiterin, die uns auch gleich eine erste Einweisung in die Lodge und deren Abläufe gab und – ganz wichtig – uns den Kletterführer und ein Stück des besten Erdnusskuchens der Welt verkaufte.

Die Bungalows sind eher spartanisch ausgestattet. Für das Kletterleben hier ist das, was man hat, aber mehr als ausreichend. Wenn man ehrlich ist, möchte man ja die Zeit am Fels verbringen und nicht im Bungalow. Und sollte man doch einmal eine Kletterpause einlegen, so kann man im Gemeinschaftshaus viele nette Leute aus aller Welt kennen lernen oder sich die umliegende, facettenreiche Gegend ansehen. Gegessen wird natürlich auch im Gemeinschaftshaus – ausgesprochen gut, günstig und vor allem reichlich. Die Speisekarte ließ für uns keine Wünsche offen, denn von süßen Pancakes mit frischem Obst über asiatisches Essen bis hin zu besonderen Tagesangeboten wie Schnitzel mit Bratkartoffeln gab es hier nichts, was wir vermisst hätten. Auch hier macht sich der Einfluss der französischen Kolonialzeit noch bemerkbar: Es gab unter anderem sehr leckeres, selbst gebackenes Baguette, dass man als Sandwich oder Knoblauchbaguette genießen oder zum Salat dazu bestellen konnte. Sollte man den Klettertag in den etwas weiter entfernten Sektoren verbringen wollen oder einen Tagesausflug planen, so kann man sich die Mahlzeiten auch in Kunststoffdosen verpacken lassen und unterwegs verzehren. Getränke kann man aus dem Kühlschrank nehmen oder seine Wasserflasche selbst nachfüllen. Die Abrechnung folgt dann mittels Eintragungen in dem entsprechend zugeordneten Buch. Klettern konnte man quasi direkt vom Camp aus, Zustiegszeit war also praktisch nicht vorhanden. Alles war perfekt.

Nach unserer ersten Nacht konnten wir es nicht erwarten, Bekanntschaft mit dem laotischen Fels zu machen. Wir erkannten jedoch schnell, dass laotischer Fels einzigartig und eigensinnig ist: Packt man ihn zu hart an, tun einem dank des scharfkantigen Gesteins schnell die Finger weh. Verlässt man sich aber auf seine Füße und fasst behutsam zu, bedankt sich der Fels mit viel Grip und fantastischen 3D-Klettterrouten. Selbst Christa, die sonst eher der Vorstiegs-Angsthase ist, traute sich dank der erstklassigen Absicherung hier viel im Vorstieg und stieg auch mal in eine Route ein, die sie in anderen Gebieten nicht gewagt hätte. Die große Auswahl an Routen in allen erdenklichen Schwierigkeitsgraden und die perfekte Absicherung (kurze Hakenabstände, ziemlich neue Schlingen, mehrfach gesicherte Stände) können hier sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene und gute Kletterer voll auf ihre Kosten kommen. Claudia, die in den vergangenen sechs Monaten eine Sportpause einlegen musste, konnte hier dennoch die eine oder andere leichte Route erklimmen und kam ebenfalls in den Genuss von laotischen Felsen. Die einfachsten Routen, die wir gefunden hatten, bewegten sich im 4. und unteren 5. Schwierigkeitsgrad. Die schwierigsten Routen lagen weit abseits unseres Könnens im Grad 8a und aufwärts.

Dass das Green Climbers Home ausgebucht war, spürte man tagsüber kaum, denn auf über 270 Routen, davon einige erst kürzlich geschraubt, verlief sich der Trubel völlig und oft war man ganz allein in einem der vielen Sektoren. Vereinzelt traf man Kletterer im Green Climbers Home, die sich mit Yoga fit hielten oder über die Slackline balancierten, doch im Großen und Ganzen war es hier sehr ruhig. Erst am Abend, wenn die Luft von warmen 28 Grad auf ca. 15 Grad abkühlte und sich alle früher oder später beim Abendessen versammelten, bekam man die meisten Kletterer wieder zu Gesicht und das Gemeinschaftshaus füllte sich wieder mit Leben. Jetzt wurden bei einem kalten Bier oder Wasser munter Erfahrungen, Tipps und Tricks ausgetauscht.

Laos gehört laut Statistiken zu den 30 ärmsten Ländern der Welt und das Pro-Kopf-Einkommen liegt hier kaum über 1.000 Dollar im Jahr. Und auch wenn wir nach Laos gekommen sind, um zu klettern, wollten wir natürlich auch das Land kennen lernen. Deshalb blieben wir nicht nur in der Lodge und am Fels, sondern machten einige große und kleine Ausflüge und viele Spaziergänge in die umliegende Gegend.
So wanderten wir an einem Tag durch die beeindruckende große Höhle, die direkt hinter dem Green Climbers Home am Fluss liegt (und dennoch zu den eher unspektakulären Höhlen in Laos gehört, was die Größe betrifft).
Im Dezember herrscht in Laos Trockenzeit und dies macht sich deutlich am Wasserstand der Flüsse bemerkbar. In der Höhle, die man sonst wohl eher durchschwimmen oder mit einem kleinen Boot durchqueren muss, bekamen wir zwar nasse Füße aber das schwimmen konnten wir uns sparen.
Höhlen sahen wir in den Tagen in Laos aber genügend, denn diese sind überall in den Karstbergen zu finden. Von klein bis groß, von trocken bis überschwemmt, es ist alles dabei.

Auch wenn die Höhlen, die Felsen und der Dschungel einen ganz besonderen Reiz auf uns ausübten, besuchten wir auch mehrmals die Stadt Thakhek. Dort konnten wir im Schatten alter Gebäude, die zum Teil noch aus der französischen Kolonialzeit stammen, durch die Straßen spazieren, einen Drink am Mekong einnehmen oder es uns bei der Massage gut gehen lassen. Sogar ein gutes Eiscafé fanden wir und ließen uns dort bei 29 Grad und Sonne am Heiligabend die Zeit mit Schokoladeneis und Milchshakes versüßen, bevor wir wieder in der Lodge einkehrten um am Abend mit den anderen Kletterern aus insgesamt 10 Nationen ein gemütliches Weihnachtsfest zu feiern.

Abschließend können wir nur sagen, dass wir trotz der Armut des Landes und seiner Einwohner nichts vermisst, sondern im Gegenteil viel gelernt haben. Wir werden mit Sicherheit irgendwann wieder etwas Zeit in Laos verbringen. Die Menschen dort sind äußerst nett, hilfsbereit und aufgeschlossen. Überall wurden wir mit einem fröhlichen “Sabaidii” begrüßt. Hin und wieder kamen sogar Leute aus ihren Häusern geeilt, um uns zu sehen oder ein Foto mit unserem kleinen Blondschopf Tim zu machen. Landschaftlich hat Laos enorm viel zu bieten, denn ein riesiger Teil des Landes ist noch völlig ursprünglich und auch wenn wir oft im Dschungel die Motorsägen kreischen hörten und die Überreste von Urwaldriesen vorfanden ist doch ein Großteil des Landes noch von dichtem Dschungel bewachsen in dem Elefanten, Affen und viele andere Tiere ein Zuhause finden.
Green Discovery – eine Art Umwelt und Touristikbehörde – versucht dafür zu sorgen, dass der Tourismus in diesem Land gleich in die richtige Richtung zum Ökotourismus gelenkt wird und wir denken, dass dieses Vorhaben durchaus Zukunftsträchtig ist.
Uli und Tanja vom Green Climbers Home haben ebenfalls alles richtig gemacht. Es gab nichts, was wir uns hätten besser vorstellen können. Sie haben ein Auge auf die Umwelt, indem sie die Kletterlodge von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet haben. Die Gastfreundschaft ist kaum zu übertreffen und auch sonst passt einfach alles um eine familiäre und wohlige Stimmung unter den Kletterfelsen zu schaffen. Das alles machte Laos für uns trotz der langen Anreise zum perfekten Winterklettergebiet. Die Temperaturen im Dezember und Januar sind perfekt zum Klettern und nachts kühlt es ab, sodass man gut schlafen kann. Da es im Dezember dort nie regnet, kann man glatt von einer Wettergarantie sprechen und Moskitos gab es auch keine.

Wer sich über unsere Weiterreise nach Thailand informieren möchte oder Bilder zu Laos mit kompletten Reisebericht ansehen möchte, der kann dies gerne auf unserer Seite unter www.auf-achse-sein.de tun.

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Neu: User-Blogs bei klettern

Geschrieben von Admin am 1. März 2010 | Abgelegt unter Allgemein, Alpin klettern, Ausrüstung, Bouldern, Eisklettern, Expeditions-Bergsteigen, Hallenklettern, Kletterszene, Medizin, Sportklettern, Training

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Mario Steinheil

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